Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke ZVEH warnt vor einem Umrüstungsstau der Sat-Empfangsanlagen vor dem 30. April 2012 und appelliert an den Endverbraucher sowie an die Wohnungswirtschaft, rechtzeitig zu handeln. Zu diesem Zeitpunkt endet die analoge Programmverbreitung über Satelliten. Wir befragten dazu J. Peter Pfeifer (Bild), Sprecher des Bereichs „Informationstechnik“ im ZVEH.
„de“: Herr Pfeifer, der ZVEH befürchtet einen Umrüstungsstau. Wie lautet Ihre Empfehlung?
J. P. Pfeifer: Bis zum Abschalttermin am 30. April 2012 müssen noch einige Millionen Sat-Empfangsanlagen umgerüstet werden. Durch den heftigen Wintereinbruch 2010 wurde die „Umrüstungswelle“ vielfach auf Eis gelegt. Ich rate jedem Endverbraucher, sich schnellstmöglich um die Umrüstung auf digitalen Empfang zu kümmern. Bei vielen Wohnungsbaugesellschaften ist nicht bekannt, dass sich in der Sat-Verteiltechnik einiges getan hat und die Umrüstung heute wesentlich einfacher läuft. Wir empfehlen dringend, sich von einem Fachbetrieb beraten zu lassen.
„de“: Sollten die Endverbraucher bzw die Wohnungswirtschaft schon heute mit dem Umrüsten beginnen, obwohl noch mehr als ein Jahr analog Fernsehen möglich ist?
J. P. Pfeifer: Vielen Fernsehzuschauern ist nicht bekannt, dass die Sender schon lange analoge und digitale Programme parallel laufen lassen. Die Umrüstung bietet also jetzt schon eine größere Programmvielfalt, bessere Bildqualität und hochauflösendes Fernsehen (HDTV). HBBTV und die Spartenprogramme, wie z.B. ZDFneo, sind nur digital zu empfangen. Neue Komponenten innerhalb der Empfangstechnik optimieren die Anlagenstruktur, es können mehr Satelliten empfangen und mehrere Teilnehmer versorgt werden.
„de“: Welche technischen Maßnahmen sind hier in Einzelnen erforderlich?
J. P. Pfeifer: Empfangsanlagen sind meist individuelle Lösungen. Generell ist es so, dass die digitalen Sender in einem höheren Frequenzbereich gesendet werden. Deshalb wird in der Regel eine neue Empfangseinheit (LNB) nötig, welche diese höheren Frequenzen empfangen kann. Der LNB befindet sich an der „Sat-Schüssel“, das macht einen Besuch auf dem Dach häufig unumgänglich. Um digitale Signale empfangen zu können, benötigen man einen digitalen Sat-Receiver. Zwischenzeitlich können auch schon einige Fernsehgeräte ohne externen Sat-Receiver DVB-S empfangen, was die Bedienung vereinfacht. Inwieweit weitere Komponenten, wie Kabel, Dosen und Verteiltechnik, erneuert werden müssen, sollte der Fachbetrieb für Informationstechnik oder Elektrotechnik an Ort und Stelle klären.
„de“: Sind die Industrie und der Handel auch in der Lage, die dazu erforderlichen Geräte rechtzeitig zu liefern?
J. P. Pfeifer: Zahlreiche technische Innovationen und die Digitalisierung sorgen für eine enorme Vielfalt. DVB-T, DVB-C, DVB-S2, HDTV, CI+, HD+, IPTV zum Beispiel bieten große Chancen. Zugleich ist der Verbraucher verunsichert, auf welche Technik er setzen soll. Die Hersteller müssen momentan alle Techniken bedienen. Selbstverständlich haben sie sich auf die Abschaltung eingestellt und derzeit sind die Geräte verfügbar. Ob der Kunde auch Anfang 2012 sein Wunschgerät zu einem akzeptablen Preis bekommen wird, ist allerdings fraglich. Die Umstellung auf Winterreifen 2010 hat es gezeigt: Wer zu lange gewartet hat, konnte nur zu einem „angepassten“ Preis oder gar nicht mehr bedient werden. Die Verfügbarkeit der Geräte ist die eine Seite. Es geht auch um die Verfügbarkeit des Handwerks. Die Informations- und Elektrotechnikerbetriebe sind geschult und gerüstet, sie können die anstehende Arbeit bei einem linearen Verlauf gut bewältigen. Allerdings kommen auch wir mit unseren Ressourcen an Grenzen, wenn sich zu viele Teilnehmer zu spät entscheiden.
„de“: Sind Sie nicht auch der Meinung, dass die Programmanbieter hier den Fernsehzuschauer besser informieren müssten?
J. P. Pfeifer: Ja, ich wünsche mir eine zeitnahe Thematisierung bei den Fernsehanstalten, letztlich haben sie am meisten zu verlieren. Wenn die Hersteller und wir Handwerker die Umstellung nicht rechtzeitig abarbeiten können, bleiben die Zuschauer fern. Die Programmanbieter haben angekündigt, ab Anfang 2011 auf die Umstellung in den Programmen hinzuweisen.
„de“: Auf welche Weise können die Fernsehzuschauer am leichtesten feststellen, ob sie eine Umrüstung benötigen?
J. P. Pfeifer: Wer die Videotextseite 198 der Programme Das Erste, ZDF, RTL, Pro7 und Sat1 aufruft, erfährt, ob die Anlage noch analog oder schon digital ist.
„de“: Besten Dank für das Gespräch, Herr Pfeifer.
| Quellenhinweis: www.de-online.info |
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