Ein wirksames Blitz- und Überspannungsschutzkonzept basiert nicht nur auf leistungsfähigen Geräten, sondern vor allem auf deren optimalem Zusammenspiel. Die sogenannte energetische Koordination stellt sicher, dass alle eingesetzten Schutzgeräte zuverlässig funktionieren – und empfindliche Anlagen effektiv geschützt werden.
Was bedeutet energetische Koordination?
Energetische Koordination beschreibt das abgestimmte Zusammenwirken mehrerer Überspannungsschutzgeräte (SPDs) innerhalb einer elektrischen Anlage. Ziel ist es, dass jede Schutzstufe nur die Energie ableitet, für die sie ausgelegt ist.
Tritt eine hohe Belastung – etwa durch Blitzströme oder Schaltüberspannungen – auf, übernimmt die erste Schutzstufe die Hauptlast. Nachgelagerte Geräte werden dadurch entlastet und bleiben innerhalb ihrer Leistungsfähigkeit.
Abgestufter Schutz für maximale Sicherheit
Ein typisches Schutzkonzept besteht aus mehreren Stufen:
Schutzstufe 1: Kombiableiter Typ 1+2 am Gebäudeeintritt
Schutzstufe 2: Überspannungsableiter Typ 2 in der Verteilung
Schutzstufe 3: Endgeräteschutz Typ 3 nahe am Verbraucher
Diese Schutzstufen müssen energetisch aufeinander abgestimmt sein, damit sie im Ereignisfall zuverlässig zusammenarbeiten und Schäden vermeiden.
Das sagt die Norm: NIN 2025 / 5.3.4.4.4.5
Die erforderliche Koordination aller in einer elektrischen Anlage errichteten Überspannungs-Schutzeinrichtungen (SPDs) muss sichergestellt werden. Die Vorgaben des Herstellers zur richtigen Koordination von Überspannungs-Schutzeinrichtungen, mit Verweis auf CLC/TS 61643-12, müssen beachtet werden.
Besonders wichtig: Werden Geräte unterschiedlicher Hersteller kombiniert, ist der Nachweis einer funktionierenden Koordination häufig nur durch zusätzliche Berechnungen oder Prüfungen möglich. Die Verantwortung dafür liegt beim Errichter der Anlage. Der Nachweis der energetischen Koordination innerhalb seiner Produktfamilie ist durch den Hersteller des Überspannungsschutzes zu erbringen (gemäß SN EN 62305-4, NIN 2025).
Was passiert bei fehlerhafter Koordination?
Ist die energetische Koordination nicht sichergestellt, können einzelne Schutzgeräte überlastet werden.
In der Praxis bedeutet das:
frühzeitiger Ausfall von Überspannungsschutzgeräten
unzureichender Schutz für angeschlossene Anlagen
erhöhtes Risiko von Schäden und Ausfällen
Ein abgestimmtes Gesamtkonzept ist daher entscheidend für die Betriebssicherheit.
Fazit
Energetische Koordination ist die Grundlage eines funktionierenden Überspannungsschutzkonzepts. Nur wenn alle Schutzstufen optimal aufeinander abgestimmt sind, lassen sich Blitz- und Überspannungsereignisse sicher beherrschen und Anlagen zuverlässig schützen. Ein durchdachtes Zusammenspiel der Schutzgeräte sorgt für maximale Sicherheit – von der Einspeisung bis zum Endgerät.
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